Kri­st­all­gär­ten

Ana­lo­gien von Salz­krie­chen und geopPat­tern, 2 Pro­jek­te.

Ich suche stän­dig nach Wör­tern, um die kom­ple­xe Erfah­rung mei­ner Ent­deckun­gen zu erfas­sen. Salz- und Pat­tern­wu­che­run­gen.

Ich könn­te aber auch ein­fach erzäh­len. Es ergab sich, glau­be durch Ver­mitt­lung mei­nes Freun­des Uli Küg­ler, die Mög­lich­keit in der VHS Bad Oeyn­hau­sen eine Aus­stel­lung zu instal­lie­ren, die lang genug dau­ern könn­te, einer breit ange­leg­ten Sal­zung aus­rei­chend Zeit­raum zu bie­ten.

Es gab das küh­le Foy­er der VHS, die Atmo­sphä­re eines Ver­wal­tungs­trak­tes. Ich hat­te die Pat­tern und ich hat­te die Sal­zungs­an­la­gen, Lang­sam­keit und Kom­bi­na­to­rik, den Wunsch nach Bil­dungs­wür­de und Geschich­te, end­lich die Vor­stel­lung eines Palaz­zos, leer, ver­gan­gen, mor­bi­de, abblät­tern­der Putz, urin­gel­be Stel­len, Spu­ren längst abge­häng­ter Por­taits … dies könn­ten Pat­tern­wu­che­run­gen (re-)konstruieren — auch hat­te man Behäl­ter auf­ge­stellt, weil die Decke tropf­te, sie sam­mel­ten aber in Wirk­lich­keit aus­blü­hen­de Sal­ze, Bau­schä­den, die her­ab­fie­len: für dies gab es Vasen­sal­zun­gen auf Blu­men­stän­dern aus Möbel­bau lami­niert, jede Vase trieb Aus­blü­hun­gen und stand auf einem Heiz­deck­chen-Unter­set­zer, den eine Schalt­uhr peri­odisch erwärm­te. 1991/​1992 – Sal­zung und Pat­tern in Kri­stal­li­sa­ti­on.

Lake­kriech­for­mun­gen und geopPat­tern­kom­bi­na­to­ri­ken wer­den zuein­an­der­ge­bracht. Die amor­phe Struk­tur im Pro­zess immer erneu­ten Auf­lö­sens und Kri­stal­li­sie­rens im Spiel der Lösungs­gleich­ge­wich­te expan­die­ren­der Lake­schich­ten, begeg­net den intui­ti­ven Kon­stel­la­tio­nen immer neu in insta­bil aus­grei­fen­den Par­ket­ten zuein­an­der­ge­ord­ne­ter Pat­tern. Was bei den Salz­kru­sten die Lake, das ist bei den geopPat­tern die Matrix.

Was bei erste­rem das Gefäß aus dem die Lake strebt, wel­ches vasen­gleich, die krie­chen­de Kri­stall­form vor­weist, das ist bei den Pat­tern die Arbeits­flä­che, auf der ein Hau­fe loser Pat­tern­aus­schnit­te bereit­liegt, ins Raster der Matrix, so inein­an­der gepaßt zu wer­den, das eine sinn­fäl­li­ge Anord­nung als Par­kett ent­steht.

Und was bei der Anla­ge einer Lake-Sal­zung die Umge­bung, mit der inter­agie­rend gewinnt die Sal­zung ihre indi­vi­du­el­le Form, als gemein­sa­men Aus­druck. Das ist bei den Pat­tern­par­ket­ten eine gestal­ten­de Grup­pe, die für die Ober­flä­chen jedes Pat­tern wie für deren Kon­stel­la­ti­on ver­ant­wort­lich ist. Das braucht min­de­stens einen, den Künst­ler.

A– »2 Gra­nu­lat»
Bad Oeyn­hau­sen
5.11.1991 – 10.1.1992
und
B– »Erster Dah­len­bur­ger Kri­stall­gar­ten«, Kunst­fleck Dah­len­burg 2024 bis 2025

Statt auf die Phan­ta­sie eines Palaz­zos wei­ter­le­ben­der alter grei­ser wei­ser …, blät­tern­der Putz nack­te Heiz­decken, läßt sich die »Initia­ti­ve erster Dah­len­bur­ger Kri­stall­gar­ten« auf die gegen­wär­ti­ge Leben­dig­keit eines Dor­fes ein. So wie es ist, mit dem, was es kann. Ich rücke von mir ab, was sozu­sa­gen einen Impuls erbringt: Es sol­len über das Jahr sowohl Gefä­ße, ja vie­le (Wunsch­ge­fäß Vasen) mit Sal­zun­gen gesam­melt wer­den, als auch der Pat­tern vie­le — damit schließ­lich alle­samt in der Dah­len­bur­ger Gale­rie, »Kunst­fleck« in einer Aus­stel­lung zusam­men­ge­bracht wer­den kön­nen. Das Gan­ze pro­zess­be­tont, so daß wir heu­te nicht bestim­men kön­nen, alle W‑Fragen unge­nau, man wird sehen was, wie, wo, wann mit wel­cher Wir­kung vor­ge­zeigt  wird wer­den kön­nen.

Also, wird hier das erste Pro­jekt eher doku­men­tiert, das zwei­te aber zeigt sozu­sa­gen Pro­jekt-to-go Arbei­ten von der Pro­jekt­be­wer­bung bis zu lau­fen­den Kon­zept­ar­bei­ten u.v.m.